Unglückliche Formulierungen in einem Bewerbungsschreiben

Die unglücklichsten Formulierungen in einem Bewerbungsschreiben 

 

Eine Bewerbung ist nichts anderes als Werbung in eigener Sache und damit letztlich die erste Phase eines Verkaufsgesprächs. Gelingt es dem Bewerber, das Interesse des Arbeitgebers zu wecken, sich also gut, ansprechend und interessant zu verkaufen, geht das Verkaufsgespräch dann mit dem Vorstellungsgespräch in die zweite Runde.  

Genau hier liegt jedoch die große Herausforderung, denn sich selbst möglichst gut zu verkaufen, ist gar nicht so einfach. 

Es geht schließlich nicht nur darum, die eigenen Fähigkeiten anzubieten, sondern dies auch noch so zu tun, dass der Arbeitgeber den Nutzen und die Vorteile erkennt, durch die auch er profitiert. Wie bei einem echten Verkaufsgespräch geht es also darum, den Arbeitgeber dazu zu bringen, dass er diesen Bewerber kennenlernen und in seinem Team haben möchte.  

Dies wiederum setzt aber voraus, dass die Bewerbung stimmig, unmissverständlich, interessant und sorgfältig formuliert ist. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass in Bewerbungen ähnliche Fehler auftauchen. Diese führen dazu, dass Bewerbungen von Kandidaten aussortiert werden, die eigentlich alle erforderlichen Fähigkeiten und Qualitäten mitbringen und sowohl zu der Stelle als auch zu dem Unternehmen gepasst hätten.  

Nun stellt sich aber die Frage, wo denn nun konkret die Stolperfallen lauern und welche Formulierungsfehler es zu vermeiden gilt.  

 

Hier die unglücklichsten Formulierungen in einem Bewerbungsschreiben
in der Übersicht:
 

 

Die 1. Stolperfalle: „Sehr geehrte Damen und Herren,“  

Schon die ersten Worte des Bewerbungsschreiben können sehr unglücklich formuliert sein, nämlich dann, wenn die Bewerbung mit einer allgemeinen Anrede beginnt.  

Dadurch signalisiert der Bewerber letztlich nichts anderes, als dass er sich nicht die Mühe machen wollte, den richtigen Ansprechpartner herauszufinden, aber natürlich trotzdem auf seine Chance hofft. In den meisten Fällen wird er genau diese Chance aber nicht bekommen.  

Aus diesem Grund sollte immer der richtige Ansprechpartner ermittelt werden. Nur wenn dies tatsächlich nicht möglich sein sollte, kann auf die allgemeine Anrede zurückgegriffen werden.   

 

Die 2. Stolperfalle: „Ihrer Anzeige vom … habe ich entnommen, dass Sie … suchen“, „mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen und bewerbe mich um die Stelle als …“ 

Ein Bewerbungsschreiben mit solchen Standardsätzen zu beginnen, ist aus drei Gründen unglücklich. Zum einen beginnen viele Bewerbungen mit solchen Formulierungen und sind aus Sicht des Lesers damit entsprechend langweilig. 

Zum anderen wiederholt ein solcher Satz im Grunde genommen nur die Betreffzeile, denn dort steht bereits, auf welche Anzeige und um welche Position sich der Bewerber bewirbt. Der dritte Grund ist, dass der erste Satz die Aufgabe hat, das Interesse des Lesers zu wecken und ihn dazu anregen soll, sich die gesamte Bewerbung anzuschauen.  

Ist schon der erste Satz bestenfalls Durchschnitt, dürfte sich dieses Interesse aber in Grenzen halten.  

 

Die 3 Stolperfalle: „Nach erfolgreichem Abschluss meiner Berufsausbildung bei … war ich bei … tätig. Danach wechselte ich zu … Derzeit arbeite ich als …“ 

Grundsätzlich gilt, dass sich Bewerbungsschreiben und Lebenslauf gegenseitig ergänzen und eine Einheit bilden sollten. Ist das Bewerbungsanschreiben letztlich nichts anderes als ein ausformulierter Lebenslauf, wird die Bewerbung wenig Chancen haben, denn der Leser möchte neue Informationen erfahren, die dann alle zusammen ein Gesamtbild ergeben.  

Das Bewerbungsschreiben sollte daher erklären, welche Eigenschaften, Merkmale und Fähigkeiten den Bewerber zu einem geeigneten Kandidaten machen. Einzelne Stationen aus dem Lebenslauf sollten lediglich zitiert werden, um diese Angaben zu untermauern.  

 

Die 4. Stolperfalle: “In meiner Tätigkeit als … war ich für die Kundenkotakte zuständig.”, “Als … habe ich Führungsverantwortung.” 

Solche Formulierungen sagen nicht viel aus, denn der Leser kann nicht wissen, was Pauschalaussagen wie Kundenkontakte oder Führungsverantwortung konkret bedeuten. Kundenkontakte hat die Aushilfskraft, die gelegentlich auf Kunden trifft und diese begrüßt, genauso wie ein Mitarbeiter am Empfang und ein Filialeiter, der befugt ist, Entscheidungen zu treffen und Lösungen bei Reklamationen zu finden.  

Wichtig ist daher, für den Arbeitgeber relevante Informationen konkret und auf den Punkt gebracht zu vermitteln.   

 

Die 5. Stolperfalle: “Ich bin flexibel, belastbar, motiviert und bringe viel Lernbereitschaft mit.“ 

Solche Eigenschaften sind zwar wichtig, aber als Aneinanderreihung bleiben sie leere Versprechungen ohne Hintergrund.  

Um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, sollten solche Aussagen daher mit konkreten Beispielen belegt werden, beispielsweise mit Situationen aus dem Arbeitsalltag oder im Zusammenhang mit privatem Engagement.   

 

Die 6. Stolperfalle: “Nachdem ich einige Zeit als … gearbeitet habe, wobei ich während dieser Zeit für den Bereich … und in diesem Zuge auch für die Betreuung der Auszubildenden verantwortlich war, wurde mir nach dem erfolgreichen Abschluss einer beruflichen Weiterbildung und nicht zuletzt auch aufgrund der persönlichen Fürsprache meines Vorgesetzten, die Aufgabe als Projektleiter für das Projekt … übertragen, für die ich infolge meines Engagements, der von mit eingereichten Verbesserungsvorschläge und der Umsatzsteigerung von 20 Prozent belobigt wurde .”    

Bandwurmsätze sind aus zwei Gründen sehr unglücklich. Zum einen sind sie sehr schwer zu lesen. Um die Inhalte tatsächlich zu verfassen, muss der Leser sie in aller Regel mehrfach lesen, aber dazu dürfte er wenig Lust haben.  

Zum anderen gehen wichtige Informationen schlichtweg unter. Besser ist daher, wichtige Inhalte in mehreren kurzen Sätzen zu nennen, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.  

 

Die 7. Stolperfalle: “Über die Gelegenheit, mich in einem persönlichen Gespräch vorstellen zu dürfen, würde ich mich sehr freuen.“ 

Der Konjunktiv und der insgesamt eher unterwürfige Ton galt vielleicht vor einigen Jahren noch als höflich. Heute sind solche Formulierungen allerdings nicht mehr zeitgemäß und passen auch nicht zu einem Verkaufsgespräch.  

Durch eine solche Formulierung sagt der Bewerber zwischen den Zeilen nämlich, dass er sich zwar über eine positive Antwort freuen würde, im Grunde genommen aber nicht daran glaubt. Besser ist daher, selbstbewusst zu vermitteln, dass sich der Bewerber auf die zweite Runde freut.     

 

Die 8. Stolperfalle: “Hochachtungsvoll, Ihr …“ 

Einige Bewerber möchten ihr Bewerbungsanschreiben besonders elegant beenden und verbleiben dann hochachtungsvoll oder verabschieden sich mit einem „Ihr (Name)“. Was unter hochkarätigen Geschäftsfreunden im vergangenen Jahrhundert oder in Adelskreisen sicher zum guten Ton gehörte, hat in einer Bewerbung nicht viel zu suchen.  

Bei der Grußformel ist es ausnahmsweise am besten, mit einer Standformulierung zu arbeiten und das Bewerbungsschreiben entweder mit freundlichen Grüßen oder mit einem freundlichen Gruß zu beenden.

 

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