Wann sich ein Anruf vor der Bewerbung lohnt und wann nicht

Wann sich ein Anruf vor der Bewerbung lohnt und wann nicht

 

“Hallo! Ich habe gerade Ihre Stellenanzeige gelesen und rufe deswegen an.” – “Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?” – “Ähm, …” Wenn in einer Stellenanzeige ein Ansprechpartner mit Telefonnummer benannt ist, fangen viele Anrufe von Bewerbern so oder so ähnlich an.

Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, wenn ein Bewerber das Unternehmen telefonisch kontaktiert, bevor er seine Bewerbung losschickt. Allerdings wird dem Bewerber ein Anruf, bei dem auf das “Ähm” erst ein langes Schweigen und dann eine Verlegenheitsfrage folgen, keine Pluspunkte für seine Bewerbung einbringen.

Wenn er einen guten Eindruck hinterlassen möchte, sollte der Bewerber schon wissen, warum er anruft. Und er sollte abwägen, ob sein Anruf wirklich notwendig und sinnvoll ist.

 

Die Überlegungen vor einem Anruf

Viele Unternehmen verzichten inzwischen darauf, die Telefonnummer des zuständigen Ansprechpartners in einer Stellenanzeige anzugeben. Die Personalabteilungen sind mit ihren regulären Aufgaben schon gut ausgelastet und die Erfahrung zeigt, dass die meisten Bewerber keine Fragen haben, die unbedingt schon vorab und am Telefon geklärt werden müssten.

Um sich den zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand zu sparen, belassen es viele Unternehmen deshalb bei den Kontaktmöglichkeiten per Post, E-Mail oder Online-Formular. Allerdings gibt es natürlich nach wie vor Unternehmen, die Ansprechpartner samt Durchwahl nennen.

Oft können der Ansprechpartner und die Telefonnummer auch über die Homepage des Unternehmens ermittelt werden. Bevor der Bewerber nun aber zum Telefonhörer greift, sollte er sich überlegen, was er mit seinem Anruf erreichen will. Generell gilt, dass er vorab nur dann anrufen sollte, wenn ihm wichtige Informationen fehlen, die er für seine Bewerbung unbedingt benötigt.

 

Deshalb sollte der Bewerber in vier Schritten vorgehen:

 

·         Zuerst sollte sich der Bewerber die Stellenanzeige sehr genau durchlesen. Aus den Angaben kann er ableiten, um welchen Aufgabenbereich es bei der ausgeschriebenen Stelle geht, wie die Rahmenbedingungen sind und welche Anforderungen das Unternehmen stellt.

 

·         Kann sich der Bewerber noch kein Bild von der ausgeschriebenen Stelle oder dem Anforderungsprofil machen, sollte er auf der Internetseite des Unternehmens recherchieren. Oft wird er dort die Informationen finden, die ihm noch fehlen.

 

·         Konnte der Bewerber seine Fragen weder durch die Stellenanzeige noch über die Unternehmenshomepage klären, sollte er sich eine Liste mit den Punkten erstellen, die er im Telefonat ansprechen möchte. Durch die Liste gerät der Bewerber später dann nicht ins Stocken, sondern kann seine Fragen Punkt für Punkt abarbeiten.

 

·         Ratsam ist außerdem, dass sich der Bewerber schon einmal gute Antworten für gängige Fragen in Vorstellungsgesprächen zurechtlegt. Es kann nämlich sein, dass der Personaler spontan ein Telefoninterview führt. Um aufzuzeigen, dass der Bewerber tatsächlich Interesse an der ausgeschriebenen Stelle hat und sich nicht nur einfach überall bewirbt, weil er gerade auf Jobsuche ist, sollte er überzeugende Antworten parat haben.

 

Wann sich ein Anruf vor der Bewerbung lohnt

In vielen Bewerbungsratgebern ist zu lesen, dass sich der Bewerber wichtige Pluspunkte sichern kann, wenn er nicht nur seine Bewerbungsmappe einreicht, sondern zuvor mit dem Unternehmen telefoniert. Tatsächlich kann ein Telefonat vor der Bewerbung vorteilhaft sein.

Zum einen kann sich der Bewerber so nämlich aus der Masse der Mitbewerber hervorheben und zum anderen hat er durch das Telefonat einen gelungenen Einstieg für sein Anschreiben.

Allerdings macht ein Vorab-Anruf letztlich nur dann Sinn, wenn der Bewerber eine oder mehrere Fragen hat, die mit seiner Bewerbung zusammenhängen.

 

So kann sich ein Anruf beispielsweise dann lohnen, wenn der Bewerber

·         die Stellenanzeige erst einige Zeit nach ihrer Veröffentlichung entdeckt hat und nun wissen will, ob die Stelle überhaupt noch frei ist.

·         örtlich gebunden oder nicht mobil ist und der Einsatzort aus der Stellenanzeige nicht hervorgeht.

·         nicht im Schichtdienst tätig werden kann oder will, das Arbeitszeitmodell aus dem Inserat aber nicht ersichtlich ist.

·         auf keinen Fall in den Außendienst möchte, aus der Stellenbeschreibung aber nicht abgeleitet werden kann, ob es sich um eine Tätigkeit im Innen- oder Außendienst handelt.

·         in einem bestimmten Aufgaben- und Tätigkeitsbereich arbeiten möchte, aber nicht abschätzen kann, ob dieser Bereich Bestandteil der Position ist.

·         seine Bewerbung nicht einreichen kann, weil er im Online-Bewerbungsformular bestimmte Pflichtfelder leer lassen muss oder die Technik generell nicht mitspielt. In diesem Fall kann er natürlich anrufen und absprechen, wie die Bewerbung doch noch zum Unternehmen gelangen kann.

 

Insgesamt bietet sich ein Anruf vor der Bewerbung also dann an, wenn der Bewerber Fragen abklären möchte, die darüber entscheiden, ob er sich überhaupt bewerben wird oder ob nicht. Voraussetzung ist aber, dass der Bewerber diese Fragen nicht selbst beantworten kann, indem er die Stellenanzeige genau liest und sich auf der Internetseite des Unternehmens informiert.

Kleiner Extra-Tipp:

Entscheidet sich der Bewerber für einen Anruf, sollte er als erstes immer sinngemäß fragen, ob der Zeitpunkt gerade günstig ist oder ob er einen unpassenden Moment erwischt hat. Dies wirkt höflich und professionell.

 

Wann sich ein Anruf vor der Bewerbung nicht lohnt

Zunächst einmal ist es keine sinnvolle Strategie, nur deshalb anzurufen, um sich eventuell den einen oder anderen Pluspunkt zu sichern. Dies liegt ganz einfach daran, dass der Anruf von einem Mitarbeiter der Personalabteilung entgegengenommen wird.

Ein Personaler kann sich aber unmöglich jeden Anruf merken. Deshalb ist fraglich, ob er sich überhaupt noch an das Telefonat erinnern wird, wenn er ein paar Tage später die Bewerbungsmappe vor sich hat. Außerdem kann es gut sein, dass die Personalabteilung nur die Vorauswahl trifft.

Die Bewerbungsgespräche hingegen werden von den jeweiligen Fachabteilungen geführt und sie sind auch diejenigen, die entscheiden, wen sie als neuen Mitarbeiter haben möchten.

Daneben macht es keinen Sinn, im Vorfeld anzurufen, um Fragen zu den grundlegenden Rahmenbedingungen oder fachspezifische Fragen zu stellen.

 

Der Bewerber kann sich den Anruf also sparen,
wenn er beispielsweise wissen will, ob

 

·         er die ausgeschriebene Vollzeitstelle auch in Teilzeit ausüben könnte oder andersherum.

·         er einen Teil der Arbeit auch von seinem Home Office aus erledigen könnte.

·         er eine geforderte Qualifikation, die ihm fehlt oder die er nicht belegen kann, eventuell auch durch eine andere Qualifikation ausgleichen kann.

·         er die genannten Voraussetzungen wirklich alle erfüllen muss oder ob er einzelne Kompetenzen nicht auch später noch erwerben kann.

·         ihm der Personaler konkrete Beispiele für künftige Aufgaben und Tätigkeiten nennen kann.

·         ihm der Personaler sagen kann, wie viel er verdienen wird.

 

Auf die Ausgestaltung der Stelle hat der Personaler wenig Einfluss. Wenn ein Unternehmen eine Stelle als Vollzeitstelle ausschreibt, dann hat es beschlossen, dass die Position durch eine Vollzeitkraft besetzt werden soll. Was fachspezifische Fragen angeht, ist der Personaler der falsche Ansprechpartner.

Der Personaler arbeitet in der Personalabteilung und kennt die konkreten Arbeitsabläufe in der jeweiligen Fachabteilung deshalb gar nicht unbedingt. Außerdem wird er der Meinung sein, dass alle wichtigen Angaben zur Stelle im Inserat stehen. Solche Fragen sollte sich der Bewerber deshalb für das Vorstellungsgespräch aufheben.

Ob der Bewerber als Besetzung für die Stelle in Frage kommt, kann und wird der Personaler ebenfalls nicht am Telefon entscheiden. Stattdessen muss er das gesamte Profil des Bewerbers sehen und wird dann abwägen, ob auf bestimmte Qualifikationen verzichtet werden und ob der Bewerber einige Kompetenzen im Rahmen der Tätigkeit nachholen kann. Wenn der Bewerber also keine Fragen hat, die für die Bewerbung als solches relevant sind, kann er sich den Vorab-Anruf in den meisten Fällen schenken.

 

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