Tipps für kleine Notlügen bei der Bewerbung

Tipps für kleine Notlügen bei der Bewerbung

Bei der Bewerbung ist es im Grunde genommen genauso wie in der Werbung. Kein Unternehmen würde auf die Idee kommen, die Aufmerksamkeit eines potenziellen Kunden auf die Schwachstellen eines Produkts zu lenken. Stattdessen wird das Produkt von seiner besten Seite präsentiert.

Alle Vorteile werden aufgezeigt, während die weniger günstigen Aspekte weggelassen oder zumindest so verpackt werden, dass sie auf den ersten Blick nicht mehr als Schwachstellen zu erkennen sind.

Der Bewerber sollte genauso vorgehen. Das bedeutet, er sollte sich in einem möglichst positiven Licht darstellen. Natürlich darf er nicht marktschreierisch auftreten und vollmundig Dinge versprechen, die er nicht halten kann. Aber er sollte alles, was für ihn spricht, in den Fokus rücken. Nun zeugt natürlich nicht jeder Lebenslauf von einer Bilderbuchkarriere.

Was also tun, wenn der Bewerber beispielsweise immer nur kurz bei einem Arbeitgeber tätig, häufiger arbeitslos oder längere Zeit krank war? In diesem Fall kann er mit ein paar Tricks arbeiten, um den Fokus auf positive Aspekte zu lenken.

Die wichtigsten Tipps für kleine Notlügen bei der Bewerbung verrät die folgende Übersicht:

Häufige Arbeitsplatzwechsel optisch kaschieren

Enthält der Lebenslauf eines Bewerbers viele berufliche Stationen, auch wenn die einzelnen Arbeitsverhältnisse nur recht kurz waren, könnte dies durchaus positiv bewertet werden. Der Arbeitgeber könnte die häufigen Arbeitsplatzwechsel nämlich als Offenheit für Neues, als Flexibilität, als Lernwillen und als Weiterentwicklungsbereitschaft deuten.

Allerdings ist eine solche Denkweise unter Arbeitgebern recht selten. Sie vermuten eher, dass jemand wenig Durchhaltevermögen mitbringt, sich nicht unbedingt langfristig und engagiert in ein Team integrieren will und direkt wieder das Handtuch wird, wenn es schwieriger wird. Deshalb ist der Bewerber gut beraten, wenn er häufige Arbeitsplatzwechsel optisch kaschiert.

Statt alle Stationen einzeln aufzuführen, sollte er dazu ähnliche Tätigkeiten in einem Punkt zusammenfassen.

Er sollte also nicht schreiben Monat/Jahr – Monat/Jahr: Firma 1, Monat/Jahr – Monat/Jahr: Firma 2, Monat/Jahr – Monat/Jahr: Firma 3. Stattdessen sollte er aus den Tätigkeiten eine Station bilden, indem er schreibt Monat/Jahr – Monat/Jahr: Tätigkeit als … .

Die Arbeitgeber und ein paar beschreibende Stichworte führt er dann als Unterpunkte auf. Auf diese Weise vermittelt er eine gewisse Stetigkeit und da die meisten Arbeitgeber den Lebenslauf zunächst ohnehin nur kurz überfliegen, kann dies die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch deutlich erhöhen.

Arbeitslosigkeit und Krankheit geschickt verpacken

Jeder kann schneller arbeitslos werden als ihm lieb ist und niemand muss sich dafür schämen, wenn ihn die Arbeitslosigkeit auch einmal getroffen hat. Aber für viele Arbeitgeber ist Arbeitslosigkeit noch immer ein KO-Kriterium.

Das Vorurteil, dass der arbeitslose Bewerber an seiner Situation wahrscheinlich nicht ganz unschuldig ist, weil er entweder nicht die erforderliche Leistung erbracht hat, es in irgendeiner Form Unstimmigkeiten gab oder er schlichtweg ein unglückliches Händchen bei der Arbeitgeberwahl hatte, hält sich wacker.

Einerseits mag dieses Vorurteil unfair sein. Andererseits kennt der Arbeitgeber den Bewerber nicht persönlich, sondern hat zunächst nur die paar Informationen aus den Bewerbungsunterlagen. Versetzt sich der Bewerber in die Lage des Arbeitgebers, wird er die Skepsis vielleicht ein wenig besser verstehen. Er selbst würde vermutlich auch nur ungern jemanden einstellen, von dem er lediglich weiß, dass er von einem oder mehreren Arbeitgebern auf die Straße gesetzt wurde.

Das Wort Arbeitslosigkeit sollte im Lebenslauf deshalb nicht auftauchen. Der Bewerber sollte die beschäftigungslosen Zeiten besser mit sinnvollen und vor allem für den Beruf relevanten Tätigkeiten füllen. Vielleicht hat er ja Bücher gelesen, Kurse besucht, sich intensiv mit dem Computer beschäftigt, sich ehrenamtlich engagiert oder andere Erfahrungen gesammelt, die ihm nun weiterhelfen können.

Natürlich darf der Bewerber kein Wissen und Können versprechen, das er nicht hat. Aber eine Formulierung wie „Beschäftigung mit dem Thema … im Selbststudium“ klingt wesentlich besser, als wenn dort einfach nur „arbeitslos“ oder „arbeitsuchend“ steht.

Längere Krankheitsphasen sind ähnlich schwierig wie Arbeitslosigkeit. Derjenige, der ernsthaft krank wird, hat es zwar schon schwer genug, und in einer modernen, sozialen Gesellschaft sollte eine Erkrankung kein Grund für eine Benachteiligung sein. Arbeitgeber sind von Haus aus aber eher pessimistisch und befürchten, dass jemand, der längere Zeit krank war, auch in Zukunft wahrscheinlich immer mal wieder für kürzere oder längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen wird.

Andererseits ist der Gesundheitszustand eine persönliche und private Angelegenheit, die den Arbeitgeber nur bedingt etwas angeht. Der Bewerber darf sich deshalb mit kleinen Notlügen behelfen. So kann er die Krankheitsphasen ähnlich verpacken wie arbeitslose Zeiten.

Er kann aber auch die Pflege eines nahen Angehörigen angeben und daraus Erfahrungen und Kompetenzen für den Berufsalltag ableiten. Der Arbeitgeber muss ja nicht erfahren, dass der nahe Angehörige der Bewerber selbst war.

Mit der spannenden Herausforderung argumentieren

Die meisten Bewerber gehen auf Jobsuche, weil ihnen die bisherige Arbeit keinen Spaß mehr macht, weil es Unstimmigkeiten mit dem Chef oder den Kollegen gibt, weil die Arbeitszeiten oder die Bezahlung besser sein könnten oder weil die Weiterentwicklungsmöglichkeiten und die Karrierechancen gegen Null tendieren.

In einem Vorstellungsgespräch sollte der Bewerber solche Gründe aber auf keinen Fall nennen, selbst wenn sie die Wahrheit entsprechen. Psychologen sprechen hier von der sogenannten Fluchtmotivation.

Damit ist gemeint, dass es dem Bewerber vor allem darum geht, von seiner alten Firma wegzukommen. Wo er einen neuen Unterschlupf findet, spielt hingegen eine untergeordnete Rolle. Arbeitgeber wünschen sich jedoch exakt das Gegenteil. Für den Bewerber soll also entscheidend sein, eine Stelle in genau ihrem Unternehmen zu bekommen, und dafür ist er eben auch bereit, seinen bisherigen Job aufzugeben.

Der Bewerber ist gut beraten, wenn er dieses Wunschdenken bedient. Er sollte argumentieren, dass ihm sein derzeitiger Job zwar spannende Herausforderungen bietet, die neue Arbeitsstelle aber noch reizvoller ist.

Nur berufliche Gründe angeben

Viele Bewerbungen erfolgen aus privaten Gründen, beispielsweise weil der Bewerber Job und Familie besser unter einen Hut kriegen möchte, weil er näher bei seiner Herzdame wohnen will oder weil es ihn vom Land in die Stadt zieht oder umgekehrt. Grundsätzlich vermitteln solche Gründe den Eindruck, dass der Bewerber an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert ist, denn er wird ja nicht umziehen, um die Flinte gleich wieder ins Korn zu werfen.

Trotzdem sollte der Bewerber keine privaten Gründe für seine Bewerbung angeben. Unternehmen sind ein Stück weit eitel und möchten nicht erst an zweiter Stelle kommen. Gerade die Information, dass der Bewerber für den neuen Job sogar bereit ist umzuziehen, wird ihm viele Pluspunkte einbringen.

Der Beruf sollte also immer der Hauptgrund für die Bewerbung sein, während private Gründe bestenfalls als nette Nebenaspekte dargestellt werden sollten.

Keine riskanten Hobbys nennen

Spannende Hobbys mit einem gewissen Risiko- und Gefahrenpotenzial senden einerseits positive Signale aus. So lassen sie den Bewerber als jemanden erscheinen, der sich einer Sache mit Leidenschaft widmet, körperlich fit ist, Risiken nicht scheut und auch einmal bereit ist, über seine Grenzen zu gehen.

Andererseits sind gefährlichere Hobbys einer der häufigsten Gründe für krankheitsbedingte Ausfälle. Zudem befürchten viele Arbeitgeber, dass der Bewerber zuviel seiner Energie in die Freizeit statt in den Job stecken könnte. Deshalb sehen Arbeitgeber ungefährliche Hobbys lieber.

Der Bewerber sollte sich also besser für eine nicht ganz so spannende Freizeitgestaltung entscheiden. Als Schachspieler, Kunstfreund, Literaturfan oder Häkelprofi hat er einfach bessere Karten als ein Bergsteiger, Tiefseetaucher oder Motorradrennfahrer.

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