Was ist ein Bewerbungscoaching? Teil 2

Was ist ein Bewerbungscoaching? Teil 2

Stellenanzeigen durchforsten, Bewerbungen schreiben, auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hoffen und damit klar kommen, wenn es doch wieder nur eine Absage gab. Und dieses Spiel immer wieder von vorne, bis endlich ein neuer Job gefunden ist.

Bewerbungscoaching

– Natürlich kann die Suche nach einem Arbeitsplatz etwas dauern. Dass gleich die erste Bewerbung zu einer Zusage führt, ist eine seltene Ausnahme. Und Absagen sind im Bewerbungsprozess normal. Nur stellt eine Jobsuche oft nicht nur die Geduld, sondern eben auch die Nerven und das Selbstbewusstsein auf die Probe. Das gilt umso mehr, je länger die Bemühungen erfolglos bleiben.

Der eine oder andere Bewerber überlegt dann, ob ein Bewerbungscoaching nicht die rettende Lösung sein könnte. Mit einem Coach an seiner Seite sollte es schließlich mit einer Jobzusage klappen. Aber kann ein Bewerbungscoaching das überhaupt leisten? Wie läuft so ein Coaching ab? Und lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns die Sache mit dem Bewerbungscoaching einmal näher an. Dabei haben wir im 1. Teil geklärt, was ein Bewerbungscoaching eigentlich ist und was sich hinter den verschiedenen Begrifflichkeiten verbirgt.

Jetzt, im 2. Teil, nehmen wir uns die
Abläufe und die möglichen Ergebnisse vor:

 

Was kann ein Bewerbungscoaching leisten?

Wenn der Bewerber an einem Bewerbungscoaching teilnimmt, erhofft er sich in aller Regel, dass seine Jobsuche so schnell wie möglich ein positives Ende findet. Doch wo der Coach mit seiner Beratungsarbeit ansetzt, hängt immer davon ab, wobei der Bewerber Unterstützung braucht. Deshalb gibt es verschiedene Möglichkeiten, worauf ein Bewerbungscoaching ausgerichtet sein kann.

So kann es zum Beispiel um Inhalte wie diese gehen:

  • Ausarbeiten der beruflichen Ziele
  • Hilfe bei einer beruflichen Neuorientierung
  • Entwickeln einer Strategie für die Jobsuche
  • Auswählen und Verstehen von Stellenangeboten
  • Schreiben von Bewerbungen
  • Optimieren der Bewerbungsunterlagen
  • Erkennen der Stärken und Schwächen
  • Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche
  • Training für Einstellungstests und Assessment-Center
  • Führen von Gehaltsverhandlungen
  • Stärken der Kompetenzen als Führungskraft

Dem Bewerber muss aber klar sein, dass die Idee eines Bewerbungstrainings immer die Hilfe zur Selbsthilfe ist. Das Ziel ist, dass der Bewerber zusammen mit dem Berater Lösungsansätze findet und erarbeitet. Der Bewerber darf nicht erwarten, dass der Coach die Arbeit für ihn übernimmt. Er wird dem Bewerber weder Musterlösungen und Patentrezepte präsentieren noch einen Job vermitteln. Die Aufgabe vom Bewerbungscoach ist, den Bewerber dabei zu unterstützen, die Jobsuche selbst erfolgreich in die Hand zu nehmen.

 

Wie ist der Ablauf von einem Bewerbungscoaching?

Bevor das eigentliche Bewerbungstraining beginnt, findet zunächst einmal ein Vorgespräch statt. Bei diesem Gespräch werden zum einen die formalen Dinge geklärt.

Zum anderen stehen drei Fragen im Mittelpunkt, nämlich:

  1. Welches Ziel verfolgt der Bewerber mit dem Coaching?
  2. In welcher Form erhofft sich der Bewerber Hilfe vom Coach?
  3. Stimmt die Chemie zwischen Bewerber und Coach?

Vor allem die letzte Frage ist ein wichtiger Punkt. Denn ein Bewerbungscoaching setzt eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit voraus. Der Bewerber muss sich öffnen, ehrlich sein und sich auf das Training einlassen. Sonst wird die Beratung nichts bringen. Doch offen über Dinge wie Schwächen, Selbstzweifel, Brüche im Lebenslauf oder Prüfungsängste zu sprechen, geht nur, wenn der Coach dem Bewerber sympathisch ist. Umgekehrt muss es auch für den Coach passen.

Das Bewerbungscoaching als solches fängt mit einer umfassenden Analyse der Ausgangssituation an. Was macht der Bewerber aktuell? Was war sein letzter Job? Welchen Beruf hat er gelernt und wie ging der Weg weiter? Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Qualifikationen hat der Bewerber? Worin sieht er seine Stärken? Was sind seine Schwächen? Solche Fragen spricht der Bewerber mit dem Coach durch. Der Coach kann daraufhin ein Profil erstellen. Dadurch weiß der Bewerber, wo er aktuell steht.

Der weitere Ablauf richtet sich dann nach der persönlichen Zielsetzung. So ist möglich, dass der Bewerber mit dem Coach erarbeitet, wie die berufliche Zukunft aussehen soll. Oder dass konkrete Lösungen für den Bewerbungsprozess entwickelt werden. Vielleicht beschäftigt sich das Bewerbungscoaching aber auch ganz gezielt mit einzelnen Punkten im Zusammenhang mit dem Job.

 

Was kostet ein Bewerbungscoaching?

Wie teuer ein individuelles Bewerbungstraining wird, lässt sich pauschal nicht beziffern. Denn die Kosten hängen vom Umfang und vom Anbieter ab. Es gibt Berater, die mit bestimmten Leistungspaketen zu Festpreisen arbeiten.

So ein Paket dann zum Beispiel beinhalten, dass der Coach zusammen mit dem Bewerber Stellenanzeigen analysiert und ihm dabei hilft, seine Bewerbungsunterlagen aussagekräftig und ansprechend zu gestalten. Die Preise für solche Pakete bewegen sich meist in einem Rahmen zwischen 100 und 200 Euro.

Andere Berater rechnen auf Stundenbasis ab. In diesem Fall kann der Bewerber bei seinem Coaching alle Themen durcharbeiten, bei denen er Hilfe vom Coach haben möchte. Je umfangreicher das Coaching ist, desto teurer wird es dann natürlich auch. Im Schnitt liegen die Honorare der Berater hier bei 100 bis 250 Euro pro Stunde.

 

Lohnt sich ein Bewerbungscoaching überhaupt?

Wenn ein Bewerber an einem Bewerbungstraining teilnimmt, sind seine Erwartungen oft groß. Zumal er ja auch ordentlich Geld in die Hand nimmt. Um Enttäuschungen zu vermeiden, ist zunächst einmal wichtig, dass der Bewerber nicht mit falschen Hoffnungen zum Coach geht. Der Berater kann und wird keinen Job für den Bewerber aus dem Ärmel schütteln. Und wer wird ihm auch weder eine professionelle Bewerbungsmappe in die Hand drücken noch irgendwelche Kontakte vermitteln.

Ein Bewerbungscoaching hat das Ziel, die Hilfestellung zu bieten, die notwendig ist, damit sich der Bewerber künftig optimal verkaufen kann. Das heißt für den Bewerber, dass er aktiv mitarbeiten muss. Kein Trainer kann dem Bewerber eine Garantie dafür geben, dass es bald mit einer Arbeitsstelle klappt. Der Coach kann den Bewerber lediglich bei der Vorbereitung unterstützen, Lösungen vorschlagen und Tipps geben. Die Erkenntnisse aus dem Coaching umsetzen, muss der Bewerber alleine.

Trotzdem gibt es gute Gründe, die für ein Bewerbungscoaching sprechen:

  • Ein professioneller Bewerbungscoach ist ein Profi, wenn es um Bewerbungen und die Jobsuche geht. Deshalb kann er dem Bewerber viele Fragen beantworten. Allerdings sollte sich der Bewerber im Vorfeld überlegen, was er konkret wissen will. Eine Frage wie „Warum finde ich keinen Job?“ mag nachvollziehbar sein. Aber sie ist zu allgemein, um darauf eine Antwort zu geben.
  • Bei einem Coaching kommen oft Themen zur Sprache, die dem Bewerber so vielleicht gar nicht bewusst waren. Oder die er bisher gerne ausgeblendet hat. Deshalb kann der Bewerber beim Coaching Erkenntnisse über sich selbst gewinnen und lernen, sich besser einzuschätzen.
  • Möglicherweise ist der Bewerber verunsichert, weil er nicht genau weiß, was etwa bei einem Vorstellungsgespräch auf ihn zukommt. Oder er hat Angst vor einem beruflichen Scheitern. Vielleicht ist er auch gehemmt, weil ihm Veränderungen nicht liegen und er statt eines neuen Jobs in Wirklichkeit lieber seinen alten Job zurückhätte. Beim Bewerbungstraining werden solche Sorgen und Ängste angesprochen. Das kann dem Bewerber helfen, seine Hemmschwellen abzubauen.
  • Je länger die Jobsuche andauert und je mehr Absagen der Bewerber bekommt, desto größer sind der Frust und die Selbstzweifel. Ein Bewerbungscoach kann dem Bewerber ein Stück Selbstbewusstsein zurückgeben. Denn im Training geht es auch darum, herauszufinden, was der Bewerber kann und was seine Stärken sind. Mit diesem Wissen steigt das Selbstvertrauen wieder. Und je überzeugter der Bewerber von sich ist, desto einfacher kann er auch andere von sich überzeugen.
  • Am Ende muss der Bewerber für sich selbst klären, ob ein Bewerbungscoaching der richtige Weg für ihn ist. Und ob ihm das Training das bieten kann, was er sich erhofft. Sicher ist ein Coaching nicht für jeden eine geeignete Lösung. Doch wenn der Bewerber in einer Sackgasse steckt, kann sich die Investition durchaus auszahlen.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Marie Meißner, 38 Jahre, Bewerbungscoach und Trainerin, Gerd Bachmann, 46 Jahre, Personalentwicklung, Timor Buchert, 41 Jahre, Personaler schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zum Thema Bewerbung, Jobsuche, Berufe und Weiterbildung.

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